Wie man Test Management erfolgreich in einem iterativ geführten SAP-Projekt etablieren kann

Lesedauer: 4 Minuten

Wie bettet man Testmanagement in einen komplexen Rahmen ein?

Das Testmanagement in einem großen SAP-Projekt, oder auch generell in einem IT-Projekt, birgt viele Herausforderungen und Fallstricke bei der Koordination und Umsetzung. Wie geht man jedoch vor, wenn als zusätzliche Komplexitätsebene noch die Zusammenführung von zwei sich vormals jahrzehntelang völlig heterogen entwickelnden Konzernen, mit all ihren Prozessspezifika und ihrer Kultur, hinzukommt?

Zum einen die Prozesse und deren Schnittstellen, welche weitestgehend neuartig gestaltet wurden, und den einzelnen Fachbereichen noch nicht vollends vertraut sind. Zum anderen die neu zusammengestellten Teams, kommend aus verschiedenen Unternehmenskulturen mit unterschiedlichen Gewohnheiten und Abläufen. Dazu gesellt sich die Tatsache, dass neben der bloßen funktionalen Harmonisierung von zwei SAP-Systemen, auch das Upgrade auf eine S/4 HANA Plattform stattfindet, um der zukünftigen Entwicklung, welche eine Ausphasung der bisherigen SAP R/3 Systeme vorsieht, Rechnung zu tragen. Tatsächlich gilt hier: Mehr ist mehr. Um die zusätzliche Komplexität des Projektes bewältigen zu können, war insbesondere ein klar definiertes, einheitliches Vorgehen, sowie ein sehr hoher Fokus auf Kommunikation und Abstimmung entscheidend für den Erfolg.

Kontinuität und Kommunikation als Garanten für Qualität und Fokus!

Unser Testmanagementansatz orientierte sich im Wesentlichen an der für das Projekt gewählten SAP Activate Methode, welche sich in der operativen Umsetzung an den Strukturen von Scrum orientiert, und jeweils zyklisch sowie zum Projektende gewisse Testzyklen vorgibt. Die Aufteilung bestand hierbei aus sogenannten Wellen, welche sich jeweils aus vier Iterationen, je drei Sprints zur Entwicklung und eine für Korrekturen und Integration, bestanden. Dadurch war ein Testing der entwickelten Funktionen, wie auch in Scrum, unmittelbarer Bestandteil der Entwicklung und Abnahme. Durch die zusätzliche vierte Phase wurde den Entwicklern mehr Zeit gegeben, Fehler noch einmal zu korrigieren und eine zusätzliche Quality Assurance (z.B in Form von Code Reviews) durchzuführen, was die Funktionalität und Integration der Entwicklungen insgesamt deutlich robuster machte.

Eine Besonderheit im Testing stellen der sogenannte Functional Integration Test bzw. der darauffolgende User Acceptance Test dar, in welchem schließlich die wie in einem Puzzle zusammengesetzten End-to-End Business Prozesse unmittelbar vor dem Go-Live abgenommen werden. Um hier einheitlich vorzugehen, wurden von den Fachbereichen, zusammen mit dem Testmanagement, in einem sogenannten Top-Down-Approach zunächst Schritt für Schritt die Leadprozesse der einzelnen Fachbereiche definiert. Hierbei galt besonderes Augenmerk auf die System- und Prozessschnittstellen, da diese im Testing generell einen hohen Kommunikationsaufwand erfordern, und ein hohes Fehlerpotenzial bergen. Nach erfolgreichem Abschluss wurden die Leadprozesse dann auf ihre Subprozesse und Varianten verfeinert, sowie die Testschritte in einem einheitlichen Template schlussendlich definiert.

Generell, zur Verwaltung aller Testphasen und Dokumentation der Testschritte, welche letztendlich von den Entwicklungsteams und den Key-Usern durchgeführt werden, bietet SAP mit dem Solution Manager ein zentrales Verwaltungstool, in welchem sich sowohl die komplette Testdokumentation als auch das Defect Management umfangreich darstellen lässt. Dies fördert insbesondere die Übersichtlichkeit der zur Behebung gemeldeten Fehler, als auch zu den Fortschritten im Testing selbst. Letztendlich sitzen vor dem Rechner allerdings Individuen, welche mehr oder weniger Erfahrung im SAP Testing haben, und neben ihrer Tätigkeit im Testing meist noch einer anderen Tätigkeit im operativen Geschäft nachgehen, die erledigt werden möchte. Aus Sicht des Testmanagement stellt sich, neben dem Schaffen der Voraussetzungen durch Konzepte und Tools, nun die Frage:

Wie unterstütze ich die Tester bestmöglich bei der erfolgreichen Durchführung der Tests? Die Erfolgsfaktoren hierbei waren im Wesentlichen Kommunikation und Kollaboration. Angefangen von Workshops zur und der Unterstützung bei der Nutzung des Solution Managers, der beispielhaften Erklärung der korrekten Testdokumentationen zur Wahrung der Auditfähigkeit durch die Wirtschaftsprüfer, bis hin zu gemeinsam abgestimmten Test-Sessions, um verschiedene User-Übergänge an Prozessschnittstellen integriert zu testen, als auch die zeitliche Vereinbarkeit von Testing und operativer Tätigkeit zu schaffen.

Ein besonders wichtiger Punkt war, unserer Erfahrung nach, die Unterstützung des Testmanagements bei der Fehlerkorrektur. Hierbei galt es, ebenfalls durch intensive Kommunikation und Kollaboration, die Erwartungen und Wünsche der Fachbereiche mit der Lösungskompetenz der IT zusammenzubringen und sicherzustellen, dass alle eine gemeinsame Sprache sprechen.

Was wir am Ende des Tages erreicht haben:

Letztendlich wurde das kritischste aller Ziele erfolgreich erreicht, nämlich das Testing in Time und Budget rechtzeitig vor dem Go-Live abzuschließen, was für ein IT-Projekt in dieser Größenordnung alles andere als selbstverständlich sind. Darüber hinaus haben wir jedoch auch ein Zusammenwachsen und eine Routine in der Zusammenarbeit in der zuvor sehr heterogenen Struktur der zwei vormaligen Konzerne erreicht. Das iterative Vorgehen in der Entwicklungsphase, verbunden mit stetigem Testing, stellte eine hohe Qualität sowie Integrationsfähigkeit der Funktionalitäten sicher. Durch die Zentralisierung der Testverwaltung sowie das klare Vorgehen konnte ferner die Qualität der Tests, insbesondere im Hinblick auf eine zukünftige Testautomatisierung, aber auch die Qualität der Dokumentation hinsichtlich des Projektaudits signifikant gesteigert werden. Vor allem aber konnten wir durch die intensive Kommunikation sicherstellen, dass alle im Projekt beteiligten Mitarbeiter aus Fachbereichen und IT mitgenommen wurden, und niemand allein auf dem Weg zum Ziel zurückblieb.

 

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